Harvard-Konzept

 

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Konflikte gehören zum Leben, wie weinen und lachen. Es gibt kein Leben ohne Konflikte. Wir sind geprägt durch unsere Biographie und Lebenserfahrung. Heute der 19. Teil in der Reihe darüber, wie das Harvard-Konzept funktioniert.

In den letzten Blogbeiträgen haben wir uns damit befasst, wie sich Konflikte wie in einer Spirale, die nach unten zieht, immer mehr verschlimmern. Damit es gar nicht so weit kommt, stelle ich Ihnen hier das Harvard-Konzept vor. Als kluge Führungskraft können Sie diesen Ansatz gut nutzen.

Harvard-Konzept

Das Harvard-Konzept  ist eine Verhandlungs-Methode. Das dahinterstehende Prinzip formulierte der amerikanische Rechtswissenschaftler Roger Fisher im Jahr 1981 gemeinsam mit William L. Ury.

Ziel ist eine konstruktive und friedliche Einigung in Konfliktsituationen, die über einfache Kompromisse hinausgeht. Der Unterschied besteht darin, dass der wechselseitige Nutzen im Vordergrund steht. Die Konfliktparteien sollen so verhandeln, dass die Beziehungen am Ende nicht gestört sind.

Die Sachebene: Das Was?

Dies geht auf der Basis von vier Aspekten:

  • Menschen und ihre Interessen ( im Harvard-Konzept als Sachfragen bezeichnet) werden getrennt behandelt.
  • Der Schwerpunkt liegt auf diesen Interessen und nicht auf den Positionen im Konflikt.
  • In der Verhandlung werden Entscheidungsoptionen entwickelt, Wahlmöglichkeiten.
  • Notwendig sind objektiven Beurteilungskriterien, die eine (bspw. gesetzliche Regelungen, ethische Normen etc.) Einigung möglich machen.

Dabei sind wiederum drei Punkte unentbehrlich:

  • die Beziehungen der Parteien bleiben erhalten,
  • beide Seiten nehmen mit, was sie brauchen – oder, wenn beide das Gleiche brauchen, teilen es fair
  • es wird zeiteffizient verhandelt und nicht um „Recht haben“ gestritten

Die Meta-Ebene: Das Wie?

Um ungünstige Einigungen zu verhindern, wird in der Vorbereitung auf eine Harvard-Verhandlung die beste Alternative mit der schlechtesten Lösung verglichen.

Ebenso wichtig ist eine sachliche Verhandlung, dazu gehören Spielregeln:

  • Faule Tricks werden direkt angesprochen.
  • Man lässt sich nicht unter Druck setzen, um zu einer Einigung zu gelangen, eher wird eine Verhandlung unterbrochen, um zu einer sachlichen Verhandlung zurückzufinden.
  • Bei absurden oder schwer annehmbaren Forderungen einer Seite, schlagen die Entwickler des Konzepts unter anderem vor, einen unabhängigen Dritten hinzuzuziehen.

Ein zentraler Punkt des Harvard-Konzept liegt in der Unterscheidung zwischen den Ebenen der zu verhandelnden Übereinkunft an sich (Sachebene) und der Art der Verhandlungsführung (die Meta-Ebene).

Wir sehen, es kommt auch auf eine gute Vorbereitung an. Was will ich erreichen von der Beziehungsfrage abzutrennen. Das ist oft nicht einfach. Aber hier hilft die klare Struktur des Konzeptes – und wie so oft, eine externe Person, die die Konfliktparteien in fairem Verhandeln unterstützt.

Tipp

Einfach bei kleinen Dingen ausprobieren und bei großen Hilfe holen.

Denksportaufgabe #18

Schauen Sie doch einfach in den nächsten Wochen, wo Ihnen Situationen vor die Füße fallen, die für dieses Konzept geeignet sind und spielen Sie in Gedanken es einmal durch.

Mehr zur Frage: Haben Sie schon etwas von „GFK – gewaltfreier Kommunikation“ gehört? lesen Sie im nächsten Blog. Bis dahin wünsche ich Ihnen alles Gute.

 

Mit konstruktiven Grüßen aus Wuppertal

Ihre Sabine Wengelski-Strock

 

Weitere Beiträge der Reihe:

  1. K wie Konflikt
  2. Warum lieben manche die Harmonie und andere das Kampfgetümmel?
  3. Wie frei sind wir eigentlich in Konfliktsituationen?
  4. Wissen Sie eigentlich, wofür Konflikte gut sind?
  5. In welchen Situationen geraten wir in Konflikt mit uns selbst?
  6. Wieso geraten wir immer wieder mit anderen Menschen aneinander?
  7. Um was geht es eigentlich im Konfliktfall?
  8. Was passiert in Konflikten auf dem Tisch und was passiert unter dem Tisch?
  9. Kennen Sie die Konflikteskalationstreppe?
  10. Was geschieht, wenn Standpunkte sich verhärten?
  11. Wann sehen wir nur noch „schwarz-weiß“ bei Konflikten?
  12. Einfühlungsvermögen geht verloren
  13. Wann fängt bei Konflikten die Gerüchteküche an zu kochen?
  14. Wohin sind Sie geraten, wenn Konflikte auf offener Bühne ausgetragen werden?
  15. Stolperdrähte überwinden – stoppen Sie die Gewaltspirale!
  16. Schadenfreude – wenn Fehler zum Fest werden!

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