Fokussierte Selbsterfahrung und Reflexion
Sie betrachten ein Kunstwerk in Ruhe. Sie lassen Ihren Gedanken freien Lauf und nehmen Ihre Assoziationen wahr. Sie schenken allen Gedanken die gleiche Aufmerksamkeit. Im Reflexionsprozess in der Gruppe lernen Sie Neues über Ihre Denk- und Handlungsmuster kennen. So verlassen Sie ausgetretene Pfade und entdecken neue Wege durch die Begegnung mit den Meisterwerken.
Kreative Denkpausen, kurze Erholungsphasen oder notwendige Phasen des „Nichts Tuns“ oder Langeweile fehlen heute oft im Arbeitsalltag. Obwohl durch „Nichts-Tun“ erst neue Ideen und Kreativität entstehen.
Das Konzept Kunst-Pause setzt an diesem Punkt an. Die Kunst-Pause dient dazu, für einen definierten, regelmäßigen Zeitraum Gedanken, Gefühle und Einfälle auf einen völlig anderen Gegenstand zu richten, in der Außenwahrnehmung ebenso wie in der Selbstwahrnehmung, gleichermaßen außen wie innen. Damit wird die Arbeitsrealität durch die Konzentration auf eine andere, davon deutlich unterschiedene Realitätsebene für eine gewisse Zeit vertauscht.
Arbeitsweise
Die Teilnehmenden der Kunstpause sitzen im offenen Kreis und betrachten fünfundzwanzig Minuten ein Bild, wenn möglich ein Original oder eine Skulptur oder Plastik. Dabei werden sie aufgefordert, möglichst frei und assoziativ alle Gedanken, die in ihnen beim Betrachten aufsteigen, zu äußern. Alle Regungen, welche die Teilnehmenden im Kontakt mit dem Werk bei sich selbst wahrnehmen, haben Bedeutung.
Notwendig dabei ist das Herstellen einer gewissen Naivität, einer Aufmerksamkeit dem eigenen Inneren gegenüber, die keine Bewertung vornimmt, sondern alle Gedanken mit gleicher Aufmerksamkeit wahrnimmt. Dabei sollen vorhandene Sachinformationen zum Kunstobjekt eher in den Hintergrund geschoben werden. Diese Gedanken der Teilnehmenden werden von der Leitung der Gruppe/der Supervisorin festgehalten. Der Schwerpunkt liegt darauf, über diese assoziative Weise einem anderen, fremden Zugang den Vorzug zu geben und nicht das Werk kunsthistorisch auszudeuten. Damit wird eine andere Form des Denkens und Sehens angeregt, die nicht zielgerichtet und problemlösend ist, sondern spielerisch, scheinbar „sinnlos“ und unstrukturiert erscheint.
Im Anschluss an das „unstrukturierte, laute Denken“ bietet die Leitung für etwa zehn Minuten weitergehende Informationen zum Werk und zum Kontext an.
Im nächsten Schritt, der ebenfalls mit fünfundzwanzig Minuten angesetzt ist, schließt sich eine Reflexion in der Gruppe an, die eine Verbindung der persönlichen und individuellen Assoziationen mit den Informationen herstellen kann. In dieser Phase kann die Gruppenleitung die notierten Wahrnehmungen in den Reflexionsprozess einspeisen und neue Sichtweisen zu vertiefen. Die hinzugefügten unterschiedlicher Perspektiven führen möglicherweise zu tieferem Verstehen und erhellen die eigenen inneren Bewegungen. Es entstehen Verbindungen oder Differenzen zwischen einzelnen Gruppenmitgliedern, neue Perspektiven auf sich selbst, das eigene Denken und gegebenenfalls das Handeln.
Kunstpause sorgt für seelische Erfrischung.
