Wohin sind Sie geraten, wenn Konflikte auf offener Bühne ausgetragen werden?

Hand opening stage curtain and audiance

Konflikte gehören zum Leben, wie weinen und lachen. Es gibt kein Leben ohne Konflikte. Wir sind geprägt durch unsere Biographie und Lebenserfahrung. Wie sind Ihre Selbstbeobachtungen ausgefallen? Ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen. Heute der 14. Teil in der Reihe darüber, wenn Konflikte auf offener Bühne ausgetragen werden.Wir sind geprägt durch unsere Biographie und Lebenserfahrung. Wie sind Ihre Selbstbeobachtungen ausgefallen? Ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen. Heute der 14. Teil in der Reihe darüber, wenn Konflikte auf offener Bühne ausgetragen werden.

Schauen wir uns Glasls Eskalationstreppe an. Inzwischen sind wir auf Stufe 5 angekommen. Die Chance, dass sich der Konflikt noch für alle Beteiligten ohne Gesichtsverlust klären lässt, tendiert gegen Null. Die Konfliktparteien haben sich so verstrickt, dass es nur noch um Gewinnen und Verlieren geht und kaum noch um konstruktive Lösungen. Und: es kann jetzt nur noch eine Konfliktpartei gewinnen.

Öffentliche Wutmonster

Aus diesen Gründen wird im Kampf um das Gewinnen keinerlei Rücksicht mehr genommen. Aus den versteckten Angriffen werden nun offene Angriffe. Die Integrität des Konfliktgegners wird angegriffen, wird als verabscheuungswürdig dargestellt. Das, was Tina vorher noch hinter vorgehaltener Hand gesprochen hat, stellt sie nun öffentlich dar:

„Mit dieser Kollegin arbeite ich nicht mehr zusammen, sie denkt nur an sich und nicht an die Klienten, ja, sie nutzt die Klienten aus. Außerdem schreibt sie sich Stunden auf, die sie gar nicht geleistet hat und nimmt immer einfach an Brückentagen frei, wenn eigentlich andere dran sind. Das werde ich dem Chef auch sagen.“ So Tinas öffentlicher Wutausbruch. Aus dem ursprünglichen Sachthema ist jetzt endgültig ein Beziehungsthema geworden. Die eigentliche Sache ist in Vergessenheit geraten und spielt keine Rolle mehr. In unserem Beispiel ist Tina das ursprüngliche Thema jetzt total egal, Hauptsache sie kann Christa „eins reinwürgen“. Sie sucht jede Gelegenheit, Christa lächerlich zu machen, öffentlich anzuprangern.

Wenn Sie sich den Konflikt als Eisberg vorstellen, dann befindet sich dieser Konflikt schon längst unter Wasser in den Abgründen der Konfliktlandschaft.

Vielleicht denken Sie jetzt: „So etwas kommt bei uns nicht vor“. Dann sind Sie bitte froh, denn auch für Leitungspersonen sind solche Eskalationen nicht lustig, sondern stellen sie vor ernsthafte Führungsfragen.

Dilemma für Leitungspersonen

Vermutlich fragen Sie sich: „Kann dieser Konflikt mit einer Versetzung beigelegt werden?“ Bei dieser Überlegung kommt gleich eine Frage hinterher, nämlich, wen aus dem Konfliktgeschehen wollen Sie versetzen? Diejenige Konfliktpartei, die nicht versetzt wird, wird das als Gewinn für sich verbuchen. Und ob Sie alle Beteiligten versetzen können, ist oft eine Frage der Ressourcen in einer Abteilung.

Bevor die Führungskraft diesen Schritt geht, sollte sie doch noch einmal ernsthaft prüfen, ob vielleicht Mediation noch eine Chance hat, wenn beide Konfliktparteien tatsächlich ein ernsthaftes Klärungsinteresse haben.

Es lohnt sich, an dieser Stelle zu investieren. Damit die destruktive Struktur und Kultur nicht die Oberhand gewinnen.

Wenn keine andere Wahl bleibt, dann ist es gut, möglichst eine klare und transparente Leitungsentscheidung zu treffen, um dem akut Destruktiven ein Ende zu setzen. Dann sollte die Führungskraft auch in Teambegleitung investieren, damit die Folgen des Konflikts aufgearbeitet werden können und sich mittelfristig wieder ein konstruktives Klima entwickeln kann.

Tipp

Versuchen Sie nicht alleine die Lösung zu entwickeln. Hier ist der Punkt, an dem die Führungskraft sich Rat und Unterstützung für die nächsten Schritte holen sollte, damit nicht noch mehr „Porzellan zerschlagen“ wird. Hier ist ein Führungskräftecoaching bezogen auf das Konfliktgeschehen immer eine gute Hilfe.

Denksportaufgabe #14

Und hier die Denksportaufgabe für die kommenden vierzehn Tage. Für Sie als Teamleitung ist wichtig:

Finden sich in Ihrer Abteilung tiefgreifende Konflikte? Schauen Sie genau, auf welcher Eskalationsstufe sie sich befinden.

Besprechen Sie Ihre Interventionsüberlegungen mit jemand Außenstehenden.

Mehr zur Frage: Stolperdrähte und Gewaltspirale – wie Sie diese Phase erkennen, lesen Sie im nächsten Blogbeitrag. Bis dahin wünsche ich Ihnen alles Gute und vor allem: interessante Selbst- und Teambeobachtungen.

Mit konstruktiven Grüßen aus Wuppertal

Ihre Sabine Wengelski-Strock

 

Weitere Beiträge der Reihe:

  1. K wie Konflikt
  2. Warum lieben manche die Harmonie und andere das Kampfgetümmel?
  3. Wie frei sind wir eigentlich in Konfliktsituationen?
  4. Wissen Sie eigentlich, wofür Konflikte gut sind?
  5. In welchen Situationen geraten wir in Konflikt mit uns selbst?
  6. Wieso geraten wir immer wieder mit anderen Menschen aneinander?
  7. Um was geht es eigentlich im Konfliktfall?
  8. Was passiert in Konflikten auf dem Tisch und was passiert unter dem Tisch?
  9. Kennen Sie die Konflikteskalationstreppe?
  10. Was geschieht, wenn Standpunkte sich verhärten?
  11. Wann sehen wir nur noch „schwarz-weiß“ bei Konflikten?
  12. Einfühlungsvermögen geht verloren
  13. Wann fängt bei Konflikten die Gerüchteküche an zu kochen?

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